Das ICRA-Label - Eine Vorwarnung
Wolfgang Wiese (www.xwolf.de, xwolf@xwolf.de), 1.3.2001Derzeit wird von einigen Verbänden und Unternehmen das ICRA-Label, welches auf dem PICS-Standard beruht, eingeführt, mit dessen Hilfe Webseiten und Domains im Sinne einer freiwilligen Selbstkontrolle für den Jugendschutz klassifiziert werden können.
Da neben AOL, T-Online, Microsoft, BT, Bertelsmann auch weitere sich sonst aufs Blut
konkurrierende Grossunternehmen beteiligt sind, ist es wahrscheinlich, daß sich der
Standard durchsetzen wird.
Die "Internet Content Rating Association" gibt auf der
URL http://www.icra.org/ weitere
Informationen und auch das Anmeldeformular mit dessen Hilfe man ein Label bekommt.
Dieses Label wird über ein META-Tag in die angemeldete Webseite eingebunden und wird
regelmäßig überprüft.
Ab Sommer dieses Jahres sollen erste Filter verfügbar sein, die als Plugins in
Webbrowser eingebaut werden. Je nachdem wie streng diese Filter eingestellt werden,
können Seiten die gelabelt sind (oder eben nicht gelabelt sind) besucht werden.
Netscape unterstützt in der Version 4.7 den PICS-Standard über die NetWatch-Funktion.
Der Internet Explorer
bietet ab Version 5.5 ebenfalls schon Grundfunktionen an. Bei beiden Browsern ist
eine Umgehung der Filter jedoch noch immer möglich.
Da jedoch mit den beteiligten Unternehmen Microsoft und AOL die Hersteller der
beiden populärsten Browser beteiligt sind, ist zu erwarten, daß sich dies bald
ändert; Immerhin handelt es sich hier um ein breites, noch unvergebenes Marktsegment.
Als Webmaster sollte man sich überlegen, an dem Verfahren teilzunehmen. Ein
Labeling der eigenen Website bringt keine merkbaren Nachteile mit sich. Das
Label ist zwar nicht als Zwang vorgesehen, könnte sich jedoch auf langer
Sicht in der Praxis als solches auswirken, wenn die entsprechenden Plugins
erst verläßlich und sicher gegen Umgehungsversuche geworden sind. Erste
Firmen beginnen derzeit Marketingkampagnen in denen genau dieses von ihren
Produkten behauptet werden.
Je nach Strenge der Einstellung können auch Webseiten gesperrt werden, die
kein Label haben. Zu erwarten ist dies insb. bei Firmen-PC's oder PC aus universitären
CIP-Pools, die entsprechend den Benutzerrichtlinien nur für Forschung und Lehre zur Verfügung
stehen sollen. Solange jedoch nicht eine große Zahl an Websites ein ICRA-Label aufweisen,
erscheint der Einsatz noch nicht sinnvoll. Auch steht die Frage offen, wie sich die ICRA
gegenüber falschen Selbsteinstufungen verhalten wird, welche durch unseriöse Unternehmen
gemacht werden könnten.
Wie auch bei sonstigen Programmen werden aber auch diese "Kinderkrankheiten" früher oder
später beseitigt sein, so daß man spätestens dann mit der Thematik beschäftigen sollte.
XWolf.com selbst hat das Label bereits auf der Indexseite eingebaut. Warum auch nicht?
Leider gibt es derzeit viele Internet-Publikationen, die sich sehr
kritisch mit dem ICRA-Label auseinander setzen. Dies ist zwar richtig, jedoch ist
eine Herabsetzung des Filterstandards als ein Kontrollorgan von Bertelsmann
und AOL über Websites etwas weit hergeholt.
Letzlich baut das ICRA-Label, bzw. der PICS-Standard darauf auf, was
Netizens schon seit langem fordern: Nämlich, daß die Filterung
Sache des Users ist und nicht Sache der Anbieter!
Und da gerade durch das OpenSource-Projekt Mozilla
jeder Versuch der Kontrolle des Benutzer-Filters von fremden Firmen sofort öffentlich
gemacht und unterbunden wird, ist nicht damit zu rechnen, daß das Abendland der freien
Meinungsäußerung untergehen wird.
Info
$Id: icra.shtml,v 1.3 2004/03/08 22:09:09 xwolf Exp $
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